Klassiker 8

Die Person und das Wirken des Ignatius von Loyola stehen im Zentrum dieser facettenreichen Performance. Der Gründer des Jesuitenordens wird durch die Jahrhunderte hindurch als kontrastreiche und zwiespältige Person wahrgenommen. Sein Wirken und dessen kulturhistorische Folgen sind geprägt von gläubiger Ernsthaftigkeit, missionarischem Eifer und soldatischem Gehorsam. Wie kann man sich einem so scheinbar aus der Zeit gefallenen Charakter im 21. Jahrhundert künstlerisch nähern? 

Die Performance IGNATIUS vereint Widersprüchliches durch Gegenüberstellung unterschiedlicher Medien und Ausdrucksweisen. Die junge Videokünstlerin Paula Bernardou stammt wie der Musiker Alberto Paez aus Argentinien, einem Land, das wie andere südamerikanische Staaten eine wechselvolle jesuitische Geschichte hat. Die oszillierenden Farben von Bernardous Videokunst erinnern aber kaum an spanische Missionare, sie lassen vielmehr moderne, unbeschwerte Urlaubsimaginationen entstehen. Die elektro-akustische Musik von Alberto Paez, die mit dem Video korrespondiert, erinnert an Tanzmusik in Clubs. Konterkariert wird diese Sphäre des modernen, jugendlichen Alltags durch Rezitationen aus den Exerzitien des Ignatius, jenen geistlichen Übungen, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und inneren Einkehr führen sollen.

Zwischen den Videopassagen der Performance ist Live-Musik mit Orgel und Klarinette von Tobias Hermanutz und Alberto Paez zu hören. Es erklingen moderne Improvisationen und Originalkompositionen (Hymnus: Pange lingua) des blinden spanischen Hofkomponisten Antonio de Cabezón (1510 ─1566), eines Zeitgenossen von Ignatius von Loyola. Auch in diesen Performance-Teilen wird die Verbindung zwischen unserer Zeit und dem 16. Jahrhundert erlebbar.

Klassiker der Neuen Musik 7

 
 

© M. Hirschberger, F. Hirschberger

Klassiker der Neuen Musik 6

 
 

© M. Hirschberger